HIV: Gut behandelbar - und dennoch oft mit Vorurteilen verbunden

12. Oktober 2026

Was ist HIV?

HIV steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Das Virus befällt Zellen des Immunsystems und schwächt dadurch die körpereigene Abwehr. Bleibt eine HIV-Infektion unbehandelt, kann sie im Verlauf zu AIDS führen, einem Krankheitsstadium, in dem das Immunsystem stark geschädigt ist und bestimmte schwere Erkrankungen auftreten können.

Dank moderner Therapien hat sich die Situation für Menschen mit HIV grundlegend verändert. Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung lässt sich die Vermehrung des Virus wirksam unterdrücken. Viele Betroffene können heute eine nahezu normale Lebenserwartung erreichen und ihren Alltag weitgehend uneingeschränkt gestalten.

Wird die Viruslast durch die Therapie dauerhaft unter die Nachweisgrenze gesenkt, ist HIV unter anderem beim Sex nicht übertragbar. Die Behandlung schützt damit nicht nur die eigene Gesundheit, sondern trägt auch dazu bei, Übertragungen zu verhindern.

Trotz dieser medizinischen Fortschritte ist HIV bis heute häufig mit Vorurteilen und Unsicherheiten verbunden. Umso wichtiger ist eine sachliche Aufklärung, ein offener Umgang mit der Erkrankung und eine medizinische Betreuung, die auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen eingeht.

Warum ist eine frühzeitige Behandlung wichtig?

Eine HIV-Infektion kann über eine längere Zeit bestehen, ohne Beschwerden zu verursachen. Deshalb ist es wichtig, eine Infektion frühzeitig zu erkennen und die Behandlung zeitnah einzuleiten. Je früher die Therapie beginnt, desto besser lässt sich das Immunsystem schützen und das Risiko HIV-bedingter Folgeerkrankungen reduzieren.

Die Behandlung erfolgt in der Regel mit einer Kombination antiretroviraler Medikamente, die die Vermehrung des Virus hemmen. Welche Therapie geeignet ist, richtet sich unter anderem nach dem individuellen Gesundheitszustand und möglichen Begleiterkrankungen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen dabei, den Therapieverlauf zu beurteilen, die Wirksamkeit der Medikamente zu überprüfen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Eine HIV-Infektion erfordert daher eine lange medizinische Begleitung. Neben der medikamentösen Therapie spielen auch die Beratung zu weiteren gesundheitlichen Fragen und die Berücksichtigung individueller Lebensumstände eine wichtige Rolle.

Was bietet die HIV-Ambulanz am Diakonieklinikum?

Mit der Einrichtung der HIV-Ambulanz hat das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG sein medizinisches Angebot um eine spezialisierte ambulante Versorgung erweitert. Unter der Leitung von 
Dr. med. Christian Hohmann, Oberarzt im Institut für Anästhesie und Intensivmedizin und Facharzt für Innere Medizin sowie Infektiologie, steht Patientinnen und Patienten mit einer diagnostizierten HIV-Infektion eine fachkundige Anlaufstelle zur Verfügung.

Die Ambulanz ist organisatorisch dem Institut für Anästhesie und Intensivmedizin unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. W. Alexander Osthaus zugeordnet und bildet einen wichtigen Baustein der Sektion „Klinische Infektiologie“.

Das Angebot richtet sich an Menschen, bei denen eine HIV-Infektion bereits festgestellt wurde. Dazu gehören sowohl die Patientinnen und Patienten, die nach einer Erstdiagnose eine medizinische Betreuung benötigen, als auch Menschen, die nach einem stationären Aufenthalt im Diakonieklinikum ambulant weiterbehandelt werden sollen.

Im Mittelpunkt stehen die kontinuierliche Begleitung der Infektion, die Beratung zur medikamentösen Therapie und die regelmäßigen Verlaufskontrollen. Auch bei stationären Behandlungen aus anderen Gründen kann die HIV-Infektion medizinische Fragen aufwerfen. Dr. Hohmann steht dann als Ansprechpartner für Fragen zur Infektion, zur Behandlung und zu geeigneten Schutzmaßnahmen zur Verfügung.

Präexpositionsprophylaxe: Schutz vor einer HIV-Infektion

Neben der Behandlung einer bestehenden HIV-Infektion spielt auch die Prävention eine wichtige Rolle. Eine Möglichkeit ist die Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP. Dabei nehmen HIV-negative Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko vorbeugend bestimmte Medikamente ein, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Die PrEP kann bei korrekter Anwendung das Risiko einer sexuellen HIV-Übertragung deutlich reduzieren. Voraussetzungen sind eine ärztliche Beratung, die Prüfung, ob die Medikation geeignet ist sowie regelmäßige medizinische Kontrollen. Dr. Hohmann verfügt über eine Zulassung zur Verordnung der Präexpositionsprophylaxe und kann Patientinnen und Patienten hierzu beraten.

Eine wohnortnahe Versorgung für Menschen mit HIV

Mit der HIV-Ambulanz schließt das Diakonieklinikum eine wichtige Versorgungslücke in der Region. Menschen mit einer HIV-Infektion erhalten damit Zugang zu einer spezialisierten ambulanten Betreuung, ohne für jede Behandlung auf weitere Anlaufstellen angewiesen zu sein. 

Zugleich trägt das Angebot dazu bei, die stationäre und ambulante Versorgung besser miteinander zu verbinden. Eine kontinuierliche medizinische Begleitung, eine wirksame Therapie und eine sachliche Aufklärung schaffen wichtige Voraussetzungen dafür, dass Menschen mit HIV langfristig gesund leben können.


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