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Diakoniekrankenhaus Rotenburg (Wümme)
II. Chirurgische Klinik

Prof. Dr. med. Michael Schulte

Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Tel. 04261 77-23 76 / 23 77

Fax 04261 77-21 41

schulte@diako-online.de

Foto: Michael  Schulte

Nachruf für Kazimierz Orlowski (Januar 2010)

Am 14. Januar dieses Jahres starb in Stettin im Alter von 88 Jahren Kazimierz Orlowski. Herr Orlowski hatte im August 2004 im Diakoniekrankenhaus Rotenburg ein neues Hüftgelenk erhalten. Seit dieser Zeit war Herr Orlowski unserem Krankenhaus sehr verbunden, es bestand ein regelmäßiger Briefkontakt mit den behandelnden Ärzten in Rotenburg, mehrfach war Herr Orlowski noch in Deutschland zu Besuch, intensive Begegnungen mit ihm gab es in Bergen-Belsen und in Stettin.

Kazimierz Orlowski war Überlebender von mehreren deutschen Konzentrationslagern. Als 18-jähriger besuchte er in Krakau das Gymnasium und wurde 1939 nach dem Überfall auf Polen zusammen mit anderen Schülern durch die SS in seiner Schule verhaftet und zur Zwangsarbeit nach Linz (Oberösterreich) deportiert. 1942 gelang ihm die Flucht, zurück zu seinen Eltern und den beiden Brüdern in Krakau. Nur zwei Wochen später wurde er nachts zusammen mit einem Bruder von der SS verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Hier erhielt er die Häftlingsnummer 62944 eintätowiert. Herr Orlowski musste unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit verrichten und wurde Zeuge der Selektion an der Rampe sowie weiterer Gräueltaten, so der Erschießung von Juden nach einem Fluchtversuch.

In Auschwitz lernte Kazimierz Orlowski seine spätere Frau Antonia kennen; diese war im Frauenlager inhaftiert, wohin er Kohlen für die Küche transportieren musste.

Doch Orlowski blieb nicht in Auschwitz. Im September 1942 brachte man ihn ins KZ Groß-Rosen, in das Außenlager Langensalza, dann in das KZ Mittelbau-Dora und im April 1945 schließlich nach Bergen-Belsen. Erst nach der Befreiung Ende April 1945 fand er seine ebenfalls nach Bergen-Belsen deportierte spätere Frau wieder. Als “Displaced Persons“ (DP) kehrten sie erst 1947 in ihr Heimatland zurück. Antonia Orlowski starb 2007, ihren Tod hat  Kazimierz kaum verwinden können. „Wie weiterleben?“ schrieb er damals in einem Brief.

Für Kazimierz Orlowski war es zeitlebens ein elementares Anliegen, dass die Geschehnisse während der Nazidiktatur nicht in Vergessenheit geraten, gleichzeitig trat er konsequent für die Völkerverständigung ein. Unermüdlich nahm er bis zuletzt aktiv an den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Jahrestage der Befreiung von Bergen-Belsen und Auschwitz teil, berichtete über seine Erfahrungen vor Schulklassen in Deutschland und stellte Informationsmaterial zur Verfügung.

Der Tod von Kazimierz Orlowski hat diejenigen, die ihn kannten, tief betroffen gemacht. Wir haben einen guten Freund verloren, dessen Wesen durch Bescheidenheit, Humor und Menschlichkeit geprägt war. Uns ist aber auch einmal mehr bewusst geworden, dass der Nachwelt immer weniger Menschen verbleiben, die über die in der NS-Zeit von Deutschen verübten Verbrechen Zeugnis ablegen können. Es ist an uns, das Anliegen von Kazimierz Orlowski in seinem Sinne weiter zu vertreten.

Diese Bilder von Kazimierz Orlowski wurden im Mai 2009 in Stettin erstellt.