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Kazimierz Orlowski

Weitere Informationen

Diakoniekrankenhaus Rotenburg (Wümme)
II. Chirurgische Klinik

Prof. Dr. med. Michael Schulte

Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Tel. 04261 77-23 76 / 23 77

Fax 04261 77-21 41

schulte@diako-online.de

Foto: Michael  Schulte

Kazimierz Orlowski bekam ein neues Hüftgelenk

Endoprothesen für NS-Zwangsarbeiter

Kazimierz Orlowski war 83 Jahre alt und wohnte seit 1947 in Stettin. Am 25. August 2004 erhielt er in der II. Chirurgischen Klinik des Diakoniekrankenhauses Rotenburg ein neues Hüftgelenk und konnte schon bald wieder schmerzfrei laufen. Als Kazimierz Orlowski seinen behandelnden Ärzten, Prof. Dr. Michael Schulte und Dr. Andrzej Tomaszewski die Hand geben wollte, fiel die eintätowierte Nummer auf seinem linken Unterarm auf. Denn Kazimierz Orlowski war ehemaliger NS-Zwangsarbeiter und Häftling im Vernichtungslager Auschwitz. 1939 zwangen die Nazis den damals 19-Jährigen, in Linz zu arbeiten. Nach einem Fluchtversuch wurde er im Juli 1942 erneut verhaftet und kam in die Konzentrationslager Auschwitz, Großrosen, Langensalza, Nordhausen und zuletzt Bergen-Belsen. Er überlebte die Lager und wohnte ab 1945 im Lager für verschleppte Personen in Bad Fallingbostel, bevor er 1947 in sein Heimatland nach Stettin zurückkehrte.

Kazimierz Orlowski war einer von rund 250 ehemaligen Zwangsarbeitern, die seit 2002 in Deutschland operiert wurden und der zweite Patient, der davon im Diakoniekrankenhaus Rotenburg versorgt wurde. Chefarzt Prof. Michael Schulte folgt damit einem Aufruf des Deutschen Ärztetages aus dem Jahr 2002, sich an der Entschädigung von ehemaligen Zwangsarbeitern zu beteiligen. Die Aktion "Aktive Solidarität", initiiert durch Prof. Dr. Wolfram Neumann, mittlerweile emeritierter Ordinarius für Orthopädie am Universitätsklinikum Magdeburg, bietet betroffenen Menschen die Gelegenheit, sich in deutschen Kliniken unentgeltlich künstliche Gelenke einsetzen zu lassen.

"Für die häufig in eher bescheidenen Verhältnissen lebenden ehemaligen Zwangsarbeiter ist eine solche Operation meist unbezahlbar", so Prof. Schulte. Zudem reiche das Krankenversicherungssystem in Polen noch nicht so weit, dass allen Patienten, die ein neues Gelenk benötigen, auch eine solche Operation finanziert werden könne. Daher haben sich Ärzte und Implantathersteller zusammengeschlossen, um den ehemaligen NS-Zwangsarbeitern eine gemeinsame Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Die Implantathersteller finanzieren dabei das Implantat, während Ärzte und Krankenhäuser die Unterbringung und die medizinische Leistung beisteuern.

Die große Mehrzahl der mittlerweile sehr alten ehemaligen Zwangsarbeiter benötigen eine Hüft- oder Knieendoprothese. Die Notwendigkeit einer Operation steht in vielen Fällen in Zusammenhang mit den aufgezwungenen Tätigkeiten, weiß Prof. Michael Schulte. Die Aktion "Aktive Solidarität" hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, den Betroffenen schnell und unbürokratisch zu helfen.