Aktive Solidarität
Ende 2001 wurde die Aktion „Aktive Solidarität“ durch den Inhaber des Lehrstuhls für Orthopädie am Universitätsklinikum Magdeburg, Herrn Prof. Dr. Wolfram Neumann, begründet. Diese Initiative folgte dem Aufruf des 104. Deutschen Ärztetages in Ludwigshafen, der sich seinerzeit mit großer Mehrheit für die Entschädigung von noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeitern während der NS-Zeit eingesetzt hatte. Nach heutigen Schätzungen wurden über 12 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich verschleppt, darunter Kriegsgefangene, Zivilisten und Häftlinge aus Konzentrationslagern. Die Zwangsarbeiter stammten ganz überwiegend aus Osteuropa, vornehmlich aus Polen und der Sowjetunion. Die Aktion „Aktive Solidarität“ trägt dem Umstand Rechnung, das unmenschliche Haft-, Arbeits- und Lebensbedingungen die Entwicklung von Verschleißerkrankungen zumindest begünstigt haben und die erforderliche Behandlung mit künstlichen Gelenken gerade in den osteuropäischen Ländern hinsichtlich der Verfügbarkeit und der Therapiestandards nicht in dem Ausmaß angeboten werden kann, wie dies in Deutschland der Fall ist. Das Projekt sieht dabei ein Sponsoring der notwendigen Implantate durch die Hersteller, eine unbezahlte Arbeitsleistung von ärztlichem Dienst und Pflegepersonal und eine unentgeltliche Krankenhausbehandlung durch die jeweiligen Träger vor. Nach einer Pilotphase am Universitätsklinikum Magdeburg ist die Aktion „Aktive Solidarität“ seit 2003 in Deutschland etabliert, mittlerweile wurden an über 80 teilnehmenden orthopädischen und chirurgischen Kliniken 340 Patientinnen und Patienten aus Polen, Russland, der Ukraine und Weißrussland überwiegend mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken versorgt. Die Aktion wird politisch und logistisch von der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ unterstützt, die die finanziellen Mittel für die Unterbringung von Begleitpersonen sowie die Einrichtung einer Projektkoordination am Universitätsklinikum Magdeburg bereitgestellt hat.
Zu den teilnehmenden Kliniken zählt das Diakoniekrankenhaus in Rotenburg (Wümme); hier wurden in den vergangenen Jahren mehrere Patienten aus Polen, davon zwei ehemalige Auschwitz-Häftlinge, behandelt.


