Eintritt
Durch Berichte in Zeitungen, über einen Jungfrauenverein oder später über die Volkshochschule Hermannsburg, vor allem aber durch persönliche Kontakte fanden junge Frauen den Weg ins Mutterhaus.
Ihrer schriftlichen Bewerbung mußten sie Lebenslauf, Gesundheitsattest und Referenzen beilegen, Minderjährige außerdem die Einwilligung der Eltern.
Aufruf von Pastor Buhrfeind um Eintritt neuer Probeschwestern
„Die Not in unserem Volke ruft immer nach neuer Hilfe, aber die Zahl der neueintretenden Probeschwestern reicht kaum aus, die ständig wachsende Arbeit aufrecht zu erhalten. Soll nicht das Werk der Diakonie in unserer Landeskirche großen Schaden leiden, dann muß hin und her eine viel tatkräftigere Werbung für den Diakonissenberuf einsetzen als bisher. Es wird überall soviel über Arbeitslosigkeit geklagt, und hier ist Arbeit die Fülle (...)
So ergeht denn an alle Jungfrauen und kinderlosen Witwen, die den Herrn lieb haben und sein sündenvergebende Gnade erlebt haben, der herzlich und dringende Ruf: „Kommt herüber und helft uns!“
Ihr findet im Dienst des Herrn bei uns gesegnete Arbeit die Fülle und könnt euch ausbilden lassen nach eures Herzens Neigung und Wunsch: in der Krankenpflege, in der Gemeindepflege, in der Säuglingspflege, in der Kinderpflege und in der Erziehung. (...)“
Einsegnung
Der Einsegnung geht eine 10-tägige Rüstzeit voraus, eine Art Klausurzeit, die besonders schön gestaltet wird und die Novizinnen auf die Einsegnung vorbereitet. Während des Einsegnungsgottesdienstes erhält die Diakonisse ein Silberkreuz mit eingraviertem Namen, das sie von nun an stets trägt.
Einkleidung
Um den Diakonissen die Sorge um die Kleiderbeschaffung abzunehmen, übernimmt das Mutterhaus die Einkleidung seiner Schwestern: jede Diakonisse erhält Wäsche, Oberbekleidung, Schuhe und Haube.
Die gemeinsame Tracht ist Ausdruck der Zugehörigkeit zur Diakonissenschaft und wird sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit getragen.
Tracht und Hauben sind Maßanfertigungen, die in der hauseigenen Nähstube hergestellt werden. Die blaue Tracht wird alltags, die schwarze sonntags getragen. Mit einem Bestellzettel ordert jede Diakonisse einmal pro Jahr ihren Kleiderbedarf.
Ausbildung
Während der Probezeit arbeiten die jungen Schwestern in der Hauswirtschaft und lernen den Ablauf im Mutterhaus kennen.
Die eigentliche gründliche Ausbildung –zumeist in der Krankenpflege –erhalten sie während des Noviziats. Praktische pflegerische Kenntnisse erwerben sie auf den verschiedenen Stationen im Krankenhaus, die Theorie sowie theologische Fächer werden im „Diakonissenkursus“ vermittelt. Im Nationalsozialismus ist zudem „Rassenkunde“ Pflichtfach.
