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Kaiserreich

FotoIn der Kaiserzeit steigt die Nachfrage nach Behinderteneinrichtungen, da durch die Industrialisierung und Bildung von Großstädten Behinderte keine Arbeit finden und von ihren Familien nicht mehr unterstützt werden können.

Während die Arbeiterbewegung mit ihren sozialen Organisationen immer auf Distanz zur Monarchie bleibt, gehen Staatsmacht und Diakonie ein Bündnis miteinander ein: das Kaiserhaus fördert die diakonischen Einrichtungen finanziell und ideell, die Diakonie verhält sich ihrerseits loyal dem Kaiserhaus gegenüber.

Die "Frauenerwerbsfrage" - Diakonissenhäuser bekommen Konkurrenz

Um 1890 entbrennt - unter dem Schlagwort "Frauenfrage" - eine öffentliche Diskussion über das Recht der Frauen auf Berufsausbildung und bezahlte Berufstätigkeit.

FotoDie bürgerliche Frauenbewegung fordert für Frauen den Zutritt zu sozialen Berufen. Die liberalen Frauenverbände kämpfen außerdem dafür, daß Frauen Gymnasien und Hochschulen besuchen und akademische Berufe ausüben sowie das Wahlrecht erhalten sollen.

Auch die evangelisch-lutherische Kirche gerät ins Kreuzfeuer der Kritik. Ihr werfen die Autorinnen Elisabeth Malo und Mathilde Weber ein konservatives Frauenbild vor und prangern das Diakonissenwesen als "ausbeuterisch" und "unevangelisch" an.

Dieser in der Öffentlichkeit geführte Streit schärft das Bewußtsein für das Thema "Frauenerwerbstätigkeit" und eröffnet den Weg zur Entstehung der freiberuflichen Krankenpflege.

Friedrich Zimmer (1855 - 1919)- der "Diakonieverein"

Friedrich Zimmer
Friedrich Zimmer
(1855 - 1919)
Friedrich Zimmer greift als erster die Forderungen der Frauenbewegung auf. Er gründet 1894 den "Evangelischen Diakonieverein" in Berlin-Zehlendorf. Dort erhalten Frauen aus dem Bürgertum eine fundierte Berufsausbildung in Krankenpflege, mit der sie sich ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen können.
Außerdem werden Erziehungs- und Wirtschaftsseminare zur Ausbildung zur Fürsorgerin angeboten.

Dem Vorstand in Kaiserswerth schlägt Friedrich Zimmer eine Zusammenarbeit vor, wird aber schroff zurückgewiesen: die Vermischung von Diakonie und Gelderwerb für Frauen war für die Vertreter der Kaiserswerther Mutterhausdiakonie damals noch unvorstellbar.

Der Diakonieverein wurde später Mitglied des "Zehlendorfer Verbandes", der verschiedene Schwesternschaften zusammengefaßt. Die Zehlendorfer Schwestern arbeiten heute als Angestellte, leben aber - ähnlich wie die Diakonissen - in einer Gemeinschaft und zahlen in eine Gemeinschaftskasse ein.

Agnes Karll

Agnes Karll
Agnes Karll
(1868 - 1927)
Berufsorganisation
für freie Schwestern
Die Bezeichnung der freien Krankenschwester war um 1900 nicht rechtlich geschützt. Daher gab es in der Krankenpflege neben den organisierten Schwestern auch Pflegerinnen ohne Bindung an einen Verband: die sog. freien Schwestern ("wilde Schwestern"). Sie waren nicht in gleicher Weise wie die organisierten Schwestern gesellschaftlich anerkannt.

Für diese Schwestern gründete Agnes Karll 1903 die "Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands". Dieser Fachverband übernahm für seine Mitglieder die Arbeitsplatzvermittlung, beriet sie in Arbeits- und Rechtsfragen und bot die Möglichkeit zu einer günstigen privaten Versicherung.

Mit dieser Entwicklung verloren die Mutterhäuser ihre Monopolstellung in der protestantischen Krankenpflege. Immer häufiger zogen Frauen aus dem Bürgertum bei ihrer Berufswahl den Diakonieverein oder den Fachverband von Agnes Karll den Mutterhäusern vor.

Das Ideal der "Dienstbereitschaft" mußte dem neuen Bild der selbstbestimmten und sich selbst finanzierenden Frau weichen.
... in guten Händen

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