Die gesellschaftlichen Veränderungen diskutieren Adel und Bürgertum gemeinsam in Zirkeln, die sich seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Deutschland bildeten. Unter diesen Zirkeln finden sich auch religiös motivierte Kreise, die zur sogenannten "Erweckungsbewegung" zählen. Dort treffen sich Menschen, die durch ein persönliches Erlebnis zum christlichen Glauben "erweckt" wurden. Gemeinsam liest man die Bibel oder "Erbauungsschriften" und tauscht sich über das Gelesene aus.
Die Anhänger der Erweckungsbewegung setzen sich aber auch ganz konkret für die religiöse Erneuerung im gesamten Volk ein - in der Hoffnung, die Gesellschaft dadurch verbessern zu können. Besonders kümmern sie sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft: Verarmte, Gefangene, verwahrloste Kinder, Behinderte etc. Ihnen soll das Wort Gottes verkündet, aber auch mit praktischen Hilfeleistungen zur Seite gestanden werden.
Theologisch folgt die Erweckungsbewegung dem "Pietismus", einer Glaubensrichtung aus dem 17./18. Jahrhundert, die Buße und Bekehrung des einzelnen Menschen als Voraussetzung zur Weltverbesserung predigte.
Von der Aufklärung dagegen übernimmt die Erweckungsbewegung die Forderung, sich um die Armen und Notleidenden zu kümmern - allerdings nicht mit dem Ziel, dass jeder "glückselig" (wie in der Aufklärung), sondern "gottselig" werden solle.
