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Erster Weltkrieg

FotoAm 1. August 1914 erklärt Deutschland Rußland, am 3. August Frankreich den Krieg.

Diakonissen wie auch freie Krankenschwestern werden zum Kriegsdienst herangezogen. Nur Gemeindeschwestern, die ohne ärztliche Unterstützung arbeiten, werden freigestellt.

Im Rotenburger Mutterhaus richtet man ein Lazarett in einigen Räumen ein, muß es aber - wegen Verpflegungsschwierigkeiten - bereits im September 1915 wieder schließen.

FotoDienst im "Etappenlazarett"

Einige Rotenburger Diakonissen tun auch in auswärtigen Lazaretten, den "Etappenlazaretten", Dienst. Das Kriegsministerium hatte am 12. Dezember 1916 den Kaiserswerther Verband (gegründet am 4. Dezember 1916) aufgefordert, Schwestern zum "Vaterländischen Hilfsdienst" heranzuziehen. Die vom Staat eingerichtete "Frauenarbeitszentrale" organisiert den Dienst der weiblichen Hilfskräfte und sorgt für deren Einkleidung.

Weimarer Republik

Der Zusammenbruch der Monarchie und der verlorene Krieg mit dem anschließende Versailler Vertrag ist für weite Teile der Bevölkerung ein Schock. Die neue Republik wird nicht anerkannt. Zu fremd sind Liberalismus und Demokratie.
Die Inflation 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929 untergraben weiter das Vertrauen der Bevölkerung zur Regierung. Von dieser Stimmung profitieren - auch in Rotenburg - bei den Wahlen vor allem die Parteien des rechten Spektrums (DNVP, NSDAP), während die Mittelparteien dramatisch an Stimmen verlieren.

Angst vor Entkirchlichung

Pastor Dr. Johann Buhrfeind
Pastor Dr. Johann Buhrfeind
(1871-1950),
Vorsteher von
1905 bis 1942
Obwohl sich im Weimarer Staat das Wohlfahrtssystem weiterentwickelt, bleiben auch Diakonie und evangelische Kirche auf Distanz zum neuen Staat. In ihren Augen steht er für Säkularisierung und Entkirchlichung. Werte wie Toleranz und Liberalisierung werden als Ursache für Sittenverfall und Untergang empfunden.

Dazu Pastor Buhrfeind in seinem Schwesternbrief vom 16. Dezember 1920: "Wir haben das göttliche Licht doppelt nötig in unserer dunklen Zeit mit ihren Sorgen (...)um die Zukunft unseres Volkes, das umgeben und bedroht ist vom Dunkel völliger Gottentfremdung und Entsittlichung. (...) Was wir tun können, ist beständige brünstige Fürbitte für unser Volk und Vaterland (...)"

Den Frauen aus dem Bürgertum, besonders aber den Diakonissen, fällt die Aufgabe zu, durch Frömmigkeit und sittlichem Verhalten ein Vorbild für andere zu sein und zur Rückkehr zu den alten Werten zu ermutigen.

Eintrittswelle

Zwischen 1910 und 1933 treten 259 junge Frauen ins Rotenburger Mutterhaus ein. Der Erste Weltkrieg und die Arbeitslosigkeit Ende der 20er Jahre verstärkt bei jungen Frauen den Wunsch nach Geborgenheit in einem Mutterhaus. Außerdem mag der Männermangel als Kriegsfolge viele Frauen eher für ein eheloses Leben bereit gemacht haben.

Da das Rotenburger Krankenhaus vergrößert werden soll, werden die jungen Schwestern dringend gebraucht. Bei ihrer Arbeit erhalten sie Unterstützung von freien Schwestern, den sog. "Hilfsschwestern", und anderen Angestellten. Die leitenden Positionen bleiben jedoch in Händen der Diakonissen.

Versorgungsmangel

FotoDie wirtschaftliche Lage im Rotenburger Mutterhaus ist in der Weimarer Zeit oft sehr angespannt. Die Sorge um das tägliche Brot kennzeichnet diese Jahre.
Da die Versorgung im Krankenhaus während der Inflationszeit zusammenzubrechen droht, bittet Pastor Buhrfeind 1922 und 1923 in öffentlichen Aufrufen um Spenden und Erntegaben:

"Die bange Frage drückt uns, wie wir diesen Winter mit seiner Not überwinden sollen.. (..) Besonders das Diakonissenhaus, das keine eigene Landwirtschaft hat, leidet Not. (...)
Da bitten wir unsere Freunde im Lande, uns durch den Winter zu helfen. (...) Wir können alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse gebrauchen: Kartoffeln, Roggen, Weizen Gerste, Hafer, Weisskohl, Rotkohl, Steckrüben, Erbsen, Bohnen , Speck, Wurst, Eier und Butter. Wenn nur ein jedes Haus ein Weniges gäbe, käme doch ein Viel zusammen." (26. September 1923)

Die Inflation hatte bereits während des 1. Weltkrieges eingesetzt. Während im Juli 1914 der Dollar noch 4,20 Mark kostete, mußte man Juli 1919 schon 14 Mark und im Januar 1922 191 Mark bezahlen. Am 20. Februar 1923, als der Bremer Händler Meyer dem Diakonissen-Mutterhaus dieses Angebot zuschickte, kostete der Dollar bereits 20.500 Mark.)

Tod Helene Hartmeyers

Für die Rotenburger Diakonissen fällt in diese Zeit der Tod ihrer geliebten Oberin Helene Hartmeyer, die 1920 stirbt. Ihre Nachfolgerin wird Marie von der Decken, die bis 1953 das Oberinnenamt innehat.

Nationalsozialismus

Die Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten wird von vielen Deutschen, auch von Christen zunächst begrüßt. Man erhofft sich vom neuen Staat die Wiederherstellung der alten Ordnung, mit dem Wiedererstarken der "deutschen Kultur" auch die der "christlichen Kultur".

Die Gefahr durch die Nationalsozialisten wird anfangs von Kirche und Diakonie unterschätzt. Vielmehr finden sich Übereinstimmungen in der Abwehr sozialistischer und feministischer Ideen. Auch ist beiden Seiten eine antiliberale wie antidemokratische Grundeinstellung gemein. Zu spät erkennt man den wahren Geist der Nationalsozialisten und wer dann noch Kritik übt, riskiert Gefängnis, Arbeitslager oder sogar die Todesstrafe.
... in guten Händen

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