Spezialsprechstunde für Adipositaschirurgie
Adipositassprechstunde
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Adipositas
Die weltweit steigende Zahl krankhaft fettleibiger Menschen ist auch in Deutschland zu beobachten. Derzeit leiden ca. 1% der Bewohner der Bundesrepublik Deutschland an extremer Adipositas. Ungefähr 16% sind als adipös zu bezeichnen und rund 40% der Bevölkerung leiden an Übergewicht.
Das Maß des Übergewichtes wird durch den BMI (Body-Mass-Index) angegeben. Bis zu einem Wert von 25 handelt es sich um ein Normalgewicht. Das Übergewicht hat einen BMI von 25 - 27 und die milde Adipositas erreicht den Wert 30. Von der moderaten Adipositas wird gesprochen, wenn der BMI zwischen 30 und 35 liegt. Eine schwere Adipositas liegt zwischen 35 und 40. Ab einem BMI von 40 wird von der krankhaften Adipositas gesprochen. Diese unterteilt sich dann noch in die supermorbide Adipositas (schwere Adipositas mit Begleiterkrankungen) und in die supersupermorbide Adipositas (extrem schwere Adipositas mit schwersten Begleiterkrankungen) mit einem BMI von über 60. Berechnen Sie hier Ihren BMI.
Aufgrund vieler wissenschaftlicher Untersuchungen ist heute bekannt, dass der Körper über einen Autoregulationsmechanismus verfügt und einen vorgegebenen BMI immer wieder einstellt. Dieser Regelkreis funktioniert bis zu einem BMI von 27 bis max. 30.
Wird dieser Regelkreis durch irgendeine Störung (Streß, Krankheit, psychische Störungen usw.) durchbrochen, steigt der BMI an und ist dann nicht mehr durch den Körper selber zu regulieren. Auch die vielerorts angebotenen und propagierten Diäten haben zur Folge, dass die Patienten nicht stufenweise abnehmen, sondern dass sich nach Beendigung der Kur das Gewicht auf einem häufig höheren Level wieder neu einpegelt.
Patienten nach vielen Diäten haben häufig einen typischen treppenförmigen Gewichtsanstieg.
Gefährlich wird die Adipositas, weil sie viele Adipositas auslösende oder unterhaltende Erkrankungen nach sich zieht. Es sind zu nennen die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Stoffwechselstörungen (metabolisches Syndrom). Die Adipositas führt unabhängig von anderen Risikofaktoren zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose) mit einer erhöhten Sterblichkeitsrate an Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Bei vielen Patienten stellen sich orthopädische Folgeerkrankungen, wie Gelenk- und Wirbelsäulenverschleiß ein. Wichtig für das Auftreten von adipositasassoziierten Erkrankungen ist noch der Fettverteilungstyp.
In der wissenschaftlichen Literatur konnte herausgearbeitet werden, dass der sog. androide Fettverteilungstyp (der größte Umfang befindet sich im Bereich des Bauches) gehäuft zu Adipositas-assoziierten Erkrankungen, besonders zur erhöhten Sterblichkeitsrate führt. Der gynoide Verteilungstyp, d.h. der Hüft-Taillen-Umfangsquozient liegt unter 0,85, ist weniger gefährdet.
1. Operationsmethoden
Seit vielen Jahren gibt es Versuche, mittels chirurgischer Maßnahmen die Eßgewohnheiten der Patienten zu verändern und damit die Adipositas positiv zu beeinflussen. In den letzten 5-10 Jahren haben sich zwei operative Methoden der Magenverkleinerung etabliert. Die Physiologie des Magens bleibt vollständig erhalten, jedoch wird die Nahrungsmenge, die aufgenommen werden kann, deutlich reduziert. Aufgrund der Überdehnung eines kleinen Restmagens wird ein Sättigungsgefühl frühzeitig ausgelöst. Über dieses Sättigungsgefühl kann der unter Punkt 1. genannte, gestörte Regelkreis im Gehirn neu etabliert und stabilisiert werden.
1. Als konventionelle offene Operationsmethode wird die vertikale Gastroplastik nach Mason ausgeführt. Dabei wird mit Hilfe eines Klammer-Nahtgerätes am Mageneingang ein bestimmtes Areal mit einem Fassungsvermögen von etwa 30 - 50 cm3 als Füllvolumen modelliert.
2. Das gleiche Prinzip, nur laparoskopisch (minimal-invasive Spiegelungsoperation mit Hilfe einer Optik), ist die Implantation eines verstellbaren Magenbandes. Hierbei wird um den Mageneingang ein individuell einstellbares Plastikband gelegt, das funktionell die gleichen Bedingungen erfüllt, wie bei der vertikalen Gastroplastik.
Beide Methoden sind heute standardisiert und weltweit etabliert. Für jede Methode gibt es spezielle Indikationen. So eignen sich jüngere und flexiblere Patienten eher für das "laparoskopische Gastricbanding" und ältere Patienten mit extremer Adipositas eher für die "vertikale Gastroplastik".
2. Risiko
Die operativen Verfahren sind nicht frei von einem Risiko. Aufgrund der Standardisierung der Operationsmethoden und der genauen und intensiven Patientenauswahl ist das Risiko jedoch gegenüber der unbehandelten Adipositas gering. In etwa 1% der Operierten kommt es zu ernsthaften postoperativen Komplikationen. Eine allgemeine leichte Komplikation tritt nach Statistik in 5-10% auf.
3. Patientenselektion
In einer Spezialsprechstunde für Adipöse müssen die Patienten herausgefiltert werden, denen man mit einer chirurgischen Therapie helfen kann.
Nach Durchführung der operativen Maßnahme, die für ein überschaubares Entgelt zu realisieren ist, sinken die Adipositas assoziierten Folgekosten deutlich.
Mit der operativen Therapie ist die Behandlung der Patienten nicht beendet!
Zusammen mit Ihnen und ggf. unter psychologischer Führung wird das operative Ergebnis über Jahre verfolgt, und auf Wunsch werden in der chirurgischen Spezialsprechstunde für Adipöse die Patienten weiter betreut, so dass sie mit ihrem Operationsergebnis gut umgehen können, so dass jede Störung umgehend erkannt und therapiert werden kann.
Fazit
- Die Adipositas ist eine chronische Erkrankung.
- Ab einem BMI von 40 handelt es sich um die morbide Adipositas.
- Es besteht ein genetischer Hintergrund der Erkrankung.
- Die Adipositas führt zur deutlichen Senkung der individuellen Lebenserwartung.
- Für die Gesellschaft entstehen sehr hohe Folgekosten.
- Die Kosten für die Therapie der Adipositas assoziierten Erkrankungen sind unkalkulierbar hoch.
- Die Indikation zur operativen Behandlung muss individuell gestellt werden
- Die vertikale Magenplastik nach Mason sowie das laparoskopische Magenbanding sind standardisierte Operationsmethoden.
- Von den Patienten sollten mehrere erfolglose konservative Therapieversuche unternommen worden sein.
- Die psychische Compliance muss vorhanden sein.
- Das perioperative Risiko muss sich in der Norm befinden.
- Organische, psychische und endokrinologische Erkrankungen müssen präoperativ ausgeschlossen sein.
- Postoperativ müssen die Patienten über lange Zeit ernährungsphysiologisch und chirurgisch betreut werden.


