Die Sektion für Nuklearmedizin

In der Sektion Nuklearmedizin werden all jene Untersuchungs- und Behandlungsverfahren durchgeführt bei denen radioaktive Stoffe zur Anwendung kommen.
Obwohl viele Menschen bei Strahlung und Radioaktivität zunächst an Krebs denken, leiden die meisten unserer Patienten doch an gutartigen Erkrankungen wie z.B. Schilddrüsenüberfunktion oder Gelenkbeschwerden.

Nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren

Bei den nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren, im allgemeinen Szintigraphie genannt, wird die Verteilung eines kurzlebig radioaktiven Arzneimittels in Ihrem Körper bildlich und ggf. im Zeitverlauf dargestellt. Durch die Wahl eines geeigneten Radiomedikamentes kann der Nuklearmediziner so die Funktion der verschiedensten Organe untersuchen. Am bekanntesten ist sicher die Untersuchung der Schilddrüse bei der eine jodähnliche Substanz verabreicht wird. Auch die Untersuchung der Knochen mit einer Phosphorverbindung ist sehr häufig. Andere Substanzen erlauben die Messung der Nierenfunktion, die Darstellung der Durchblutung von Lunge oder Herzmuskel bzw. die Suche nach Entzündungsherden oder bösartigen Tumoren im gesamten Körper. Hirnszintigraphien (z.B. mit radioaktiv markierten Botenstoffen des Nervensystems) werden zunehmend bei Verdacht auf Alzheimersche oder Parkinsonsche Erkrankung zur frühzeitigen Diagnosestellung eingesetzt. Mit speziellen Untersuchungsgeräten können sogar Schichtaufnahmen der Radioaktivitätsverteilung angefertigt werden (SPECT), die eine sehr präzise Lokalisation von krankhaften Veränderungen erlauben. Zum Beispiel können bei Rückenschmerzen die einzelnen besonders betroffenen Wirbelgelenke genau identifiziert werden.

Der Ablauf einer nuklearmedizinischen Untersuchung besteht in der Regel aus vier Abschnitten: Zunächst einmal wird anhand der Überweisung und in einem Gespräch zwischen Patient und Arzt oder MTRA geprüft, ob das vorgesehene Untersuchungsverfahren geeignet ist und ob nicht eventuell Gegenindikationen (z.B. Schwangerschaft) vorliegen. Außerdem wird der Patient über den Ablauf der vorgesehenen Untersuchung unterrichtet. Anschließend erfolgt die Verabreichung des radioaktiven Arzneimittels. Dies geschieht meist durch Injektion in eine Armvene. Gelegentlich schließen sich die szintigraphischen Aufnahmen unmittelbar an die Injektion an, meist jedoch ist eine Wartezeit erforderlich. Deren Dauer hängt von der Geschwindigkeit ab, mit der das jeweilige Radiomedikament aus der Blutbahn entfernt und vom Zielgewebe (z.B.: Schilddrüse, Knochen) aufgenommen wird. Während bei der Schilddrüsenszintigraphie nur 20 Minuten erforderlich sind, benötigt es bei der Knochenszintigraphie 2-3 Stunden bis sich ein ausreichender Kontrast eingestellt hat. Meist wirkt sich eine längere Wartezeit günstig auf die Qualität der aufgezeichneten Bilder aus. Zuletzt werden die aufgezeichneten Szintigramme vom Nuklearmediziner begutachtet. Sind diese ausreichend aussagekräftig, erfolgt die abschließende Befundbesprechung mit dem Patienten.

Im Unterschied zum konventionellen Röntgen bei dem Ihr Körper von Röntgenstrahlen durchstrahlt wird, entstehen die Röntgenstrahlen bei nuklearmedizinischen Untersuchungen durch den radioaktiven Zerfall der verabreichten Radiomedikamente in Ihrem Körper. Da die verwendeten Messgeräte (sogenannte Gammakameras) sehr empfindlich sind und eine längere Aufnahmezeit gewählt wird (je nach Art der Untersuchung ca. 5-60 min.), kann die zur Szintigraphie verabreichte Radioaktivitätsmenge sehr klein gehalten werden. Da Radiomedikamente im Gegensatz zu Röntgenkontrastmitteln nur in sehr geringer Menge verabreicht werden und keine größeren Jodmengen enthalten, sind Nebenwirkungen bei nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren extrem selten und auch bei Schilddrüsenerkrankungen bedeuten sie kein Risiko.

Nuklearmedizinische Behandlungsverfahren

Foto: Schilddrüsenszintigraphie
Schilddrüsenszintigraphie
Im Gegensatz zur externen Strahlentherapie werden bei den nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren krankhafte Veränderungen von innen heraus bestrahlt. Während die bei der Szintigraphie verabreichten radioaktiven Substanzen den Körper durchdringende Röntgenstrahlen aussenden, geben die zur Therapie eingesetzten Radiomedikamente überwiegend Strahlen kurzer Reichweite (wenige mm), sogenannte Betastrahlen, ab. Strukturen die eine hohe Anreicherung des Radiomedikamentes aufweisen (z.B. Schilddrüsenknoten bei Schilddrüsenüberfunktion, Knochenmetastasen) oder in die die Radioaktivität von außen eingebracht wurde (z.B.: entzündete Gelenke) werden so gezielt bestrahlt. Die wichtigsten Krankheitsbilder, die durch eine nuklearmedizinische Therapie geheilt oder günstig beeinflusst werden können, sind:
  • Schilddrüsenüberfunktion (Schilddrüsenautonomie, Basedowsche Erkrankung)
  • Chronische Gelenkbeschwerden (chronische Arthritis, aktivierte Arthrose)
  • schmerzhafte Knochenmetastasen der meisten bösartigen Tumoren
  • Schildrüsenkrebs
  • Lymphdrüsenkrebs
  • Bechterewsche Erkrankung
(v. l.)Karin Lemmermann, ltd. MTA / Dr. Bernhard M. Dohmen, Sektionsleiter / Joachim Proxa, MTA / Dr. Kai-Uwe Ehlers, Oberarzt / Karin Wiederhöft, MTA
(v. l.)Karin Lemmermann, ltd. MTA / Dr. Bernhard M. Dohmen, Sektionsleiter / Joachim Proxa, MTA / Dr. Kai-Uwe Ehlers, Oberarzt / Karin Wiederhöft, MTA
Nach Durchführung der abhängig von Behandlungsverfahren und Erkrankung notwendigen Voruntersuchungen können fast alle nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren ambulant durchgeführt werden. Meist ist nur eine einmalige intravenöse oder lokale Injektion oder das Schlucken einer radioaktiven Behandlungskapsel erforderlich. Lediglich bei der Radiojodtherapie von Schilddrüsenerkrankungen muss die gemäß den Voruntersuchungen
verordnete Menge des Radiomedikaments aus Strahlen- und Umweltschutzgründen auf einer speziellen Behandlungsstation verabreicht werden. Dies erfolgt bei unseren Patienten in der Regel in Stade oder Hannover. Der Beurteilung des Therapieerfolges und der Erfassung von evtl. auftretenden Nebenwirkungen dienen Kontroll- bzw. Nachsorgeuntersuchungen, die beim Hausarzt und z.T. in der Sektion Nuklearmedizin durchgeführt werden sollten. Fast alle nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren sind jedoch sehr gut verträglich, schwere Nebenwirkungen bei den meisten Methoden extreme Raritäten.

Besonders am Herzen liegt uns ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten vor Behandlungsbeginn. Nicht selten löst eine anstehende Therapie mit radioaktiven Substanzen bei Patienten aber auch bei dessen Angehörigen Ängste aus. Vorurteile und eine Überschätzung eventueller Strahlenrisiken sind weit verbreitet. Andere Patienten kommen mit zu hoch gesteckten Erwartungen zu uns und sind enttäuscht, wenn wir z.B. “nur” Aussicht auf Linderung von Beschwerden, nicht jedoch dauerhafte Heilung anbieten können. Manchmal versprechen andere Verfahren ein günstigeres Resultat. Zusammen mit dem Patienten, nicht selten auch unter Konsultation anderer Fachkollegen des Diakoniekrankenhauses und des Hausarztes, stellen wir sicher, dass die Radionuklidtherapie sinnvoller Teil eines abgestimmten Behandlungskonzeptes ist.
... in guten Händen

Diakoniekrankenhaus Rotenburg (Wümme) gGmbH · Elise-Averdieck-Str. 17 · 27356 Rotenburg